Ich hatte ja schon etwas zu dem Beitrag bei ui geschrieben, allerdings war das für mich wohl noch nicht wirklich ausreichend. Nachdem ich mich durch diesen Beitrag wieder mit dem Gedanken an einen Suizid beschäftigt habe kamen mir dazu noch einige Dinge in den Kopf die ich gerne niedergeschrieben haben wollte. Einige Menschen werden nun sicher meinen, dass sowas in einem Blog das, sofern man in der Lage ist auf den Link “Impressum” zu klicken, unter realen Namen geführt wird nichts zu suchen hat und mir das ganze eventuell später mal Optionen in meinem Leben verbauen kann.

Das mag alles sein, nur finde ich es wichtig, dass genau wie auch bei dem Thema Kindesmissbrauch das Stigma, dass man über sowas nicht redet, durchbrochen werden muss. Denn von dem Schweigen haben, zumindest im Falle des Missbrauchs, nur die Täter was, Opfern wird dadurch nicht geholfen. Genau so ist es auch bei Menschen, die unter schweren Depressionen und Suizidgedanken leiden. Dabei muss das nicht einmal Hand in Hand gehen, natürlich sind beides Faktoren die, wenn sie zusammen auftreten das ganze noch um ein vielfaches steigern können, müssen sie aber nicht.

Ich kenne Menschen die unter Depressionen leiden, deswegen aber nicht gleich Suizidgefährdet sind, allerdings ist mir, sofern ich das aus meiner Sicht beurteilen kann, bis jetzt aufgefallen, dass die meisten suizidgefährdeten Menschen in meinem Umfeld auch Depressiv sind, was allerdings zu erst da war ist schwer zu beurteilen, insofern ist hier für mich zumindest nicht klar, was von beidem eventuell das andere auslösen kann.

Damit das ganze aber nicht so kriptisch bleibt fange ich einfach mal bei mir an. Das macht das ganze für den eventuell interessierten Leser leichter nachzuvollziehen und ist vor allem nicht mehr auf einer rein hypotetischen Schiene, auf der man alles denken und rein interpretieren kann. Für alle denen das zu viel wird sei hier noch mal gesagt, es gibt im Browser die Möglichkeit diese Seite zu schließen, wer also nichts darüber lesen möchte sollte nun besser gehen.

Wie man, meinen Artikel zum Thema Mogis und meiner Mitarbeit dort entnehmen kann bin ich Opfer eines Missbrauchs geworden, dass ganze ist schon mal wichtig um meine Handlungen eventuell etwas differenzierter betrachten zu können. Das ganze hatte ich eine Zeit lang verdrängt und mein Leben, rückblickend betrachtet ist es eher das Leben eines anderen gewesen, normal geführt, sofern man Verdrängung als normal betrachten kann. Das ganze geht natürlich nur bis zu einem gewissen Punkt gut und irgendwann hatte ich diesen dann auch erreicht. Durch eine kleine Bemerkung in einem Gespräch brach dann aber eben diese Verdrängung zusammen und stürzte mich ein ein Loch in das ich heute noch ab und an mal strauchel. Das Ergebnis des ganzen war und ist, dass ich Menschen nicht vertrauen kann und es um ehrlich zu sein auch nicht will. Den für mich schwingt immer noch die Befürchtung mit, dass ich mich dadurch anderen Menschen und deren Verhalten ausliefere.

Durch eben diese Vorgeschichte und dem was mich da nach dem Zusammenbruch meiner Verdrängung verfolgte reifte in mir der Gedanke, dass es für mich und die Menschen um mich herum besser wäre, wenn ich aus eben diesem trete. Mein Versuch war leider nicht von Erfolg gekrönt und was ich getan habe werde ich hier auch nicht näher ausführen, denn ich möchte niemandem damit eine Anleitung bieten, wie man seinem Leben ein Ende setzen kann. Nur weil es damals nicht geklappt hat und seit dem einige Jahre ins Land gegangen sind bedeutet es allerdings nicht, dass der Wunsch nach Suizid nicht mehr da ist. Er kommt immer mal wieder, mal stärker und mal schwächer und bis jetzt habe ich ihm noch nicht nachgegeben. Ich weiß nicht ob ich das bis zu meinem natürlichen Tod immer durchhalten werde mir zu sagen, dass es noch etwas gibt für das es sich zu leben lohnt, aber das ist auch in meinen Augen nicht wichtig.

Was mich, bei dem Thema Suizid und Suizidgefährdeter immer wieder überrascht ist das Verhalten der meisten Menschen, natürlich gibt es hier auch immer wieder Ausnahmen, aber im großen und ganzen habe ich das Gefühl, dass Menschen das ganze für eine ansteckende Krankheit halten und wenn sie sich zu lange mit jemandem unterhalten, der offen dazu steht, dass er Suizidgedanken hat sich anstecken könnten und dann selber diese Gedanken hegen. Aber genau das ist es, was diese Menschen weiter in die Isolation und in meinen Augen schlussendlich zum Suizid treiben. Diese Ablehnung der Gesellschaft und das Bild von den “gestörten” das die meisten in ihren Köpfen haben.

Ich selber bin schon einige Male als Besucher in einer psychatrischen Klinik gewesen und kann in diesem Fall nur sagen, dass die ganz anders sind, als die meisten sich so was vorstellen. Dort laufen nicht alle Menschen in Zwangsjacken durch die Gegend und reden wirres Zeug oder singen Kinderlieder. Nein, dass sind Menschen wie jeder andere auch, nur das sie ein Problem haben und etwas dagegen unternehmen wollen. Wenn ich mir ein Arm breche gehe ich schließlich auch ins Krankenhaus und muss deswegen nicht damit rechnen, dass ich für wehleidig gehalten werde. Doch leider ist diese Betrachtungesweise bei den meisten Menschen eben die, dass man, wenn man in einer Klinik für psychische Erkrankungen gewesen ist, man mindestens einen Dachschaden hat, wenn nicht sogar für den Rest des Lebens am besten in eine Zwangsjacke gesteckt und weggespert gehört. Das ich mit dieser Beurteilung nicht alleine bin kann man dem Beitrag bei ui entnehmen in dem die Autorin schreibt:

Es ist nicht leicht, so direkt an die Öffentlichkeit zu gehen vor dem Hintergrund der Befürchtung, dass eventuelle Beschimpfungen oder dergleichen hervorgerufen werden könnten. Jedoch gehe ich dieses Risiko gerne ein, nicht zuletzt um derer willen, welche wirklich ernsthaft wissen möchten, wie man denkt und fühlt, um anderer Suizidalen und um sowohl all der Hinterbliebenen als auch der Opfer willen. Mit Opfern meine ich Menschen wie die Lokführer, Fahrgäste oder Opfer von Geisterfahrern etc- Denn, auch wenn ich mich zum Suizid bekenne, ohne ihn heroisieren zu wollen, sehe ich durchaus ein, dass jeder, der mit erleben und jeder, der zurückbleiben muss, zum Opfer wird.

Das eben diese Grundgedanken dazu führen, dass viele Menschen nicht über das Thema Depressionen, Suizidgedanken oder Missbrauch reden wollen kann ich nur zu gut nachvollziehen und mir selber fällt das auch immer wieder schwer und über alles kann auch ich immer noch nicht schreiben geschweige denn reden und ich weiß auch nicht ob sich das jemals ändern wird. Aber aus eben diesen Gründen finde ich solche Entwicklungen wie die Gründung von Mogis oder aber den Gedanken der Autorin bei ui, ein Portal für Opfer, Hinterbliebene, Interessierte (hier sind damit Menschen gemeint, die mehr über die Gedankenwelt eines Suizidgefährdeten wissen wollen) und eben Suizidgefährdete aufzubauen für unterstützenswert. Natürlich ist so was mit viel Arbeit und auch Kampf verbunden, aber wenn dadurch das Leben für viele Menschen besser wird ist es das wert.

Um jetzt aber noch mal den Bogen zurück zu mir und meinem “Problem” zu kommen. Ich lebe mein Leben nun schon seit einigen Jahren mit depressiven Schüben und dem Wunsch das ganze irgendwann ein für alle mal zu beenden. Ich habe mir nur abgewöhnt darüber normal zu reden, da das ganze entweder einfach nur zu Schweigen beim Gesprächspartner führt, was ich ein gewiss weit auch gut verstehen kann oder aber zu einem runterspielen nach dem Motto “Ach nun stell dich mal nicht so an” wenn ich solche Sprüche hören will kann ich sie mir auch selber um die Ohren hauen, wenn die Suizidgedanken in mir wieder stärker werden. Ich erwarte, und ich denke so geht es den meisten mit dieser Krankheit, auch keine Ideallösung die dann um die Ecke kommt und mein Leben in etwas tolles verwandelt, aber was man dann doch manchmal gerne hätte wäre eine Ernsthaftigkeit in dem Gespräch und nicht die oben schon angesprochene Flucht aus eben diesem Gespräch. Ich hoffe, dass diese Ernsthaftigkeit zum Teil dadurch erreicht werden kann, dass man Suizid nicht mehr als das Tabuthema hinstellt, dass es im Moment noch ist. Ok, es wird gerade in den Medien breit getreten, nachdem sich Robert Enke vor einen Zug geworfen hat, aber ich verspreche mir von dieser Debatte nicht viel, für mich sieht das nach genau dem gleichen Strohfeuer wie nach jedem Amoklauf aus. Es wird mal kurzfristig mit Worthülsen um sich geworfen und der vermeintliche Schuldige irgendwo ausgemacht und dann wartet man ein paar Wochen und die breite Masse hat einen neuen Aufhänger.

Vielleicht habe ich ja Glück und es wird jetzt wirklich anders. Ich würde es unserer Gesellschaft wünschen, aber mein Glauben an eben diese Veränderung ist doch sehr beschränkt.

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4 Kommentare to “Bin ich ansteckend?”

  1. Tenpenny sagt:

    Vielleicht trägt der ganze Hype um Enke zumindest dazu bei, daß ein, zwei oder ein paar mehr Leute sich mehr Gedanken über dieses Thema machen, als sie es vorher getan haben. Das wäre schon ein Fortschritt – nämlich für diejenigen, die vielleicht irgendwann genau die Vertrauensperson brauchen, die eben *nicht* ablehnend, herunterspielend oder aber pathologisierend mit der Depression eines anderen umgeht.

    Ich versuch das jetzt mal aus genau meiner Position zu sehen, nämlich als jemand, der zZ für einen unter zeitweisen Depressionen leidenden Menschen wichtigste Vertrauensperson ist: du wirst erst dann den /die “richtigen” Gesprächspartner finden, wenn du den Leuten eine Mindestmenge an Vertrauen entgegenbringst. Und genau das bedeutet für dich aber “sich ausliefern”. Das ist das Dilemma, oder? Jedenfalls interpretier ich das so, weil es bei meinem Bekannten in etwa ähnlich war. Für den ist es jedesmal ein Kampf, wenn er sich mal dazu entschlossen hat, sich einer Person etwas mehr zu “öffnen”. Und ein fieser Rückschlag, wenns dann die falsche Person war -.-

    Weiter: kann sein, daß “drüber reden” im *Einzelfall* mal gar nichts hilft. Wenns einem einfach “nur” dreckig geht, dann schon. Bei einem echten akuten Schub klinischer Depression kanns sein, daß nicht mal ein Profi mit Reden helfen kann. Aber das wird dir bekannt sein.
    Das Wichtigere – nach meiner Erfahrung – bei “Leuten, mit denen man reden kann” ist: das Bewußtsein zu haben, daß sie da sind, daß man sich notfalls an sie wenden kann, daß jemand “verfügbar” ist, der einen ernstnimmt. Dieses Wissen allein hilft oft schon über mittelschwere Phasen.

    Tjo…. wollte das gerne mal hier anbringen. In letzter Zeit ist das Thema öfters auf`m Schirm.

    Gruß vom
    FT (der dein Blog nach wie vor regelmäßig liest)

    • Gnafu sagt:

      Das Problem an einem Hype ist nur, dass er meist sehr schnell versandet, wie immer wenn sowas mal eben in die Medien gezogen wird. Ich denke nicht, dass das ganze Effektiv etwas ander Situation für die Menschen die darunter leiden ändern wird.

      Das Problem einen Vertrauensmenschen zu finden ist, wie du selber ja schon sagst durch das zerstörte Vertrauen den Mitmenschen gegenüber ziemlich schwer und kostet Jahre und sehr viel Kraft. Wobei das schwerste, zumindest aus meiner Sicht bis jetzt, ist es erstmal den Wunsch zu haben sich anderen Menschen mitteilen zu wollen und nicht gleich abzublocken. Es muss auch der Wille da sein, ob sich dann ein Weg finden lässt wird man später feststellen.

      Freut mich aber, dass du dich hier noch ab und an hin verirrst ;)

  2. [...] keinen Zeitungsartikel davon gelesen, auch kein Titelblatt, nur drei Blogeinträge von Frau Doktor, Gnafu und dem Spiegelfechter und die Pressekonferenz gehört. Eigentlich ist alles geschrieben worden, [...]

  3. [...] Blog | Lieber mit dem Kopf durch die Wand als gar kein Fenster. ‹ Bin ich ansteckend? [...]