Stoppt die Zensur Smilie von Greensmilies.com

Das ganze fing in mir an zu brodeln, als ich den kleinen Beitrag zum Thema Internetzensur geschrieben hatte und daraufhin kurz noch mit Steko in den Kommentaren. Dabei hat Steko auf ein Zeitungsinterview in der Zeit hingewiesen, der genau dieses zum Thema hat. In diesem Zeitungsinterview äußert sich Christian Bahls, seines Zeichens Vorsitzender des Vereins Mogis (MissbrauchsOpfer Gegen InternetSperren) wie man sich als Missbrauchsopfer nun ein weiteres mal Missbraucht fühlt. Nicht von den Tätern von damals sondern von unserer Regierung, die aus unserem (und ja ich schreibe hier mit Absicht “unserem”) Missbrauch kapital schlagen will. Von der Wikungsweise, die diese Internetzensur hat, wird mir persönlich schlecht. Christian drückt das in seinem Interview auch sehr passend aus:

Bahls: Weil er Kinderpornografie nicht bekämpft. Da ist irgendwo im Internet ein Missbrauch dokumentiert und die Bundesregierung schaut weg. Und sagt uns Bürgern, wir sollen auch wegschauen.

[...]

Doch niemand bekämpft in seinem eigenen Land die Server, auf denen die Inhalte lagern. Wenn die zu den 1.500 Adressen gehörenden Server in den USA, Holland, Kanada und Deutschland dicht gemacht würden, die derzeit existieren, wären 90 Prozent der weltweit mit einem Browser erreichbaren Kinderpornografie nicht mehr verfügbar.

Auf der norwegischen Sperrliste, die das Bundeskriminalamt unter anderem verwenden will, sind beispielsweise auch 25 deutsche Server verzeichnet, mit 70 genuinen Domain-Namen. Insgesamt gibt es hierzulande sogar über 200 Domain-Namen. Von denen ist ein großer Teil bei einer Firma geparkt, auf deren Seite Domains verkauft werden können. Damit hat diese Firma wahrscheinlich echte Kontaktdaten. Wie sollen sonst die Verkäufe abgewickelt werden? Das Bundeskriminalamt müsste nur zu dieser Firma gehen und die Inhaber der Domains ermitteln.

Wenn man als Betroffener dann solche Zahlen liest wird einem ganz anders. Die Frage nach der Ernsthaftigkeit von der Regierung wirklich was gegen Kinderpornografie zu tun ist nach solchen Zahlen blanker Hohn. Da wird einfach ein Thema genommen, dass dazu führt, dass jeder Kritiker an den Handlungen leicht diffamiert werden kann. Denn wie kann man nur gegen den Kampf gegen Kinderpornografie sein?

Bahls: Wir sind für die effiziente Bekämpfung von Straftaten nach Paragraf 184 b. Dazu gehört aber, dass man die Inhalte aus dem Internet entfernt und die Inhaber der Server bestraft. Und über die Inhaber kommt man vielleicht auch an Leute, die so etwas herstellen und kann so verhindern, dass weitere Kinder missbraucht werden. Der Missbrauch muss unterbunden werden. Das aber geschieht nicht dadurch, dass die Bundesregierung ihren Bürgern Scheuklappen aufsetzt.

Genau diese Scheuklappen sind es, die ich meine. Das Wort Kinderpornografie oder Kindesmissbrauch führen dazu, dass alle sofort in eine Schockstarre verfallen. Mit dieser Schockstarre wird aber leider weder den Opfern geholfen noch werden zukünftige Opfer geschützt. Das merkt man ja auch schon daran, wie das Gespräch über dieses Thema in der Gesellschaft geführt wird. Die wenigsten Menschen wollen sehen was um sie rum passiert, oder aber sie nehmen es nicht wahr.

Das merkt man vor allem daran, wenn man offen über das spricht was mit einem geschehen ist. Ich meine damit nun nicht sich mitten auf den Marktplatz zu stellen und es in die Welt zu schreien. Wenn das jemandem Hilft soll er aber auch bitte das tun. Was ich meine ist das Gespräch mit Freunden und Verwandten. Denn selbst die fallen sofort in eine Schockstarre. Ich weiß nicht genau ob es daran liegt, dass sie sich nicht vorstellen können, dass jemanden den sie kennen von so einer Tat betroffen ist, oder ob sie einfach nicht wissen wie man dann reagiert. Nur eine Schockstarre und Ignoranz sind genau das falsche Verhalten, dass führt dann nämlich zu dem wo wir jetzt sind. Christian drückt das in dem Interview auch sehr passend aus:

Bahls: Das ist Wut. Ich bin durch die aktuelle Diskussion aus meinem Trott gerissen und wieder damit konfrontiert worden. Das ist Ärger und der treibt mich an. Die Diskussion, wie sie gerade läuft, ist nicht hilfreich. Die ist schlimm für die Opfer, ihnen wird damit noch ein zweites Mal wehgetan. Ich fühle mich wieder zum Opfer gemacht. Ich fühle mich in der Debatte für ein politisches Ziel missbraucht.

Aber, diese Zensur auf den Kosten und dem Leiden von Missbrauchsofpern zu erbauen ist scheinbar nur dann möglich, wenn man ein wenig bei den Zahlen rumspielt, die man vom BKA bekommt. So wird dann doch mal schnell aus der nowegischen Liste und deren Zugriffszahlen hochgerechnet. Wie sonst will man auch sagen können, dass es am Tag 450.000 Seiten mit Kinderpornografie gibt, die überwacht werden müssen? Ach, Moment, da hat man bei der Pressemitteilung ein wenig Mist gebaut, dass sind ja gar keine Seiten, sondern es geht dabei um Zugriffe. Hoppala, auf einmal sieht das ganze schon ein wenig anders aus.

Klasse ist auch das erreichen der Zahl 450.000, denn die hat man sich mehr oder weniger aus den Fingern gesaugt, indem man die Zugriffe aus Norwegen (zwischen 15.000 und 18.000 verteilt auf 3.000 Listeneinträge) hochgerechnet hat. Schön dass man das einfach mal so hochrechnet, ein Haken sieht man aber sofort. Die deutsche Liste soll nur 1.000 Einträge haben. Ich könnte hier noch stundenlang Zahlen der Regierung auseinander nehmen, würde damit aber wohl nur genau das gleiche Schreiben wie Mogis in ihrem Blog schon getan haben, deshalb möchte ich euch lieber diesen und diesen Beitrag ans Herzen lesen.

Eine Sache habe ich aber noch. Wenn man sich nämlich mal dieses Bild ansieht wird einem doch richtig übel. Hier sind auf der Weltkarte die Server mit Kinderpornoverdacht gezeichnet und je dunkler die Farbe ist, desto mehr Server gibt es in diesem Land. Wer noch die genauen Zahlen dazu haben will und auch noch detailiertere Karten, kann sich noch diesen Beitrag bei Mogis durchlesen.

Wer nur einmal einen kleinen Moment auf diese Karte schaut wird feststellen, dass die meisten dieser Server in westlichen Staaten stehen. Warum dann hier aber nicht wirklich effektiv dagegen vorgegangen wird ist ein Thema für sich, was das Thema Internetzensur nur am Rande berührt.

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7 Kommentare to “Der Kampf nicht zum Instrument zu werden.”

  1. Hallo,

    vielen Dank auch für Deinen Mut,
    Dich hier öffentlich zu Deinem Schicksal
    zu bekennen.

    Danke
    Christian

  2. Gnafu sagt:

    Danke, in meinen Augen ist es aber das einzig vernünftige, wenn man irgendwie gegen die jetzige Situation glaubwürdig vorgehen will.
    Ich kann immerhin sagen, dass ich weiß wie es sich anfühlt.
    Davon ab kann man nur so etwas dagegen machen von jemandem oder eine Gruppe für ihre Zwecke instrumentalisiert zu werden.

  3. Darf ich dich zitieren und/oder verlinken?

    Christian

  4. Gnafu sagt:

    Natürlich darfst du das. Ich hab dir gestern auch an den Verein eine Mail geschickt, kannst dich ja mal dazu äußern ;)

  5. [...] menschlichen Teil und den weiteren Unsinn der geplanten Sperren hat der liebe gnafubereits  sehr gut zusammengefasst, während auf den einschlägigen IT-Seiten [...]

  6. [...] war es zu erwarten, dass es wieder Blut gibt, wenn man alte Wunden aufreißt. Das Problem ist diesmal nur, dass es nicht anders geht. Auch wenn ich wieder Bilder im Kopf habe [...]

  7. [...] Was ein Opfer nämlich wirklich verletzt ist die Tatsache, dass man nochmal missbraucht wird und ich… Wenn man uns nämlich wirklich helfen würde, würde man anders an das Thema rangehen, aber ich komm schon wieder vom eigentlich Thema ab. [...]